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Nach dem bis zum 31.12.2017 geltendem Recht konnte Kindergeld rückwirkend für den Zeitraum von vier Jahren ausgezahlt werden. Diese bisherige Regelung war mit einer Missbrauchsgefahr verbunden. Die Vorschrift ist deshalb durch Artikel 7 Nr. 6 Buchstabe c und Nr. 7 des Steuerumgehungsbekämpfungsgesetzes vom 23.7.2017 (BGBl I 2017, S. 1682) mit Wirkung vom 1.1.2018 geändert worden. Es wurde in § 66 EStG ein neuer Absatz eingefügt, der wie folgt lautet:

„Das Kindergeld wird rückwirkend nur für die letzten sechs Monate vor Beginn des Monats gezahlt, in dem der Antrag auf Kindergeld eingegangen ist.“

Dies bedeutet für Eltern, deren Antrag nach dem 31.12.2017 eingeht, dass sie rückwirkend nur noch eine Nachzahlung für die letzten sechs Kalendermonate erhalten können. Maßgebend ist der Monat des Eingangs des Antrags bei der zuständigen Familienkasse.

Der neue § 66 Abs. 3 EStG ist nicht im Festsetzungsverfahren, sondern nur im Erhebungsverfahren anzuwenden. Kindergeld für Zeiträume, die über den Sechsmonatszeitraum des § 66 Abs. 3 EStG zurückreichen, soll aber nur festgesetzt werden, wenn die Familienkasse das Vorliegen der Tatbestandsvoraussetzungen für den Anspruch auf Kindergeld ohne weitere Sachverhaltsaufklärung feststellen kann bzw. wenn der Berechtigte ein erkennbares Interesse daran hat. In allen anderen Fällen erfolgt keine weitere Prüfung durch die Familienkasse und auch keine Festsetzung für einen Zeitraum, der vor dem Sechsmonatszeitraum des § 66 Abs. 3 EStG endet.

Ein erkennbares Interesse kann z.B. dann bestehen, wenn der Familienkasse bekannt ist, dass der vorrangig Berechtigte oder der nachrangig Berechtige dem öffentlichen Dienst angehört oder der Berechtigte auch Anspruch auf Kindergeld für ein jüngeres Kind hat. Erhält z.B. ein Beamter als Teil seiner Beamtenbesoldung einen Familienzuschlag, ist die Höhe von der Anzahl der Kinder abhängig, für die ein Beamter Anspruch auf Kindergeld hat.

Wird für einen vergangenen Zeitraum Kindergeld festgesetzt und reicht dieser Zeitraum über den Sechsmonatszeitraum des § 66 Abs. 3 EStG zurück, kann das Kindergeld im Rahmen des Erhebungsverfahrens aber nur für die letzten sechs Kalendermonate ausgezahlt werden, die vor dem Eingang des Antrags bei der Familienkasse liegen. Im Festsetzungsbescheid ist dann ein Hinweis auf die Auszahlungsbeschränkung des § 66 Abs. 3 EStG aufzunehmen.