Familienheimfahrten

Aufwandsunabhängige Entfernungspauschale bei einer doppelten Haushaltsführung

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Bei einer doppelten Haushaltsführung dürfen für eine tatsächlich durchgeführte Familienheimfahrt pro Woche 0,30 € je Entfernungskilometer steuerlich geltend gemacht werden. Diese Pauschale darf auch dann angesetzt werden, wenn tatsächlich keine Kosten entstanden sind (BFH, Urteil vom 18.4.2013, Az. VI R 29/12). Der Betrag von 0,30 € je Entfernungskilometer ist auch dann zu gewähren, wenn

  • jemand kostenfrei von Verwandten abgeholt wird oder
  • er Mitfahrer einer Fahrgemeinschaft ist oder
  • der Arbeitgeber die Fahrtkosten für den Arbeitnehmer übernimmt, indem er ihm z.B. eine Bahncard 100 überlässt.

Laut BFH muss die Entfernungspauschale um die steuerfrei gezahlten Reisekostenvergütungen oder steuerfrei gewährten Freifahrten gemindert werden.

Im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung ist die Entfernungspauschale mit 0,30 € für jeden vollen Kilometer der Entfernung zwischen dem Ort des eigenen Hausstands und dem Beschäftigungsort anzusetzen.

Beispiel:

Der verheiratete Kläger machte in seiner Einkommensteuererklärung Mehraufwendungen für doppelte Haushaltsführung für 48 Heimfahrten in Höhe von 5.199 € geltend (48 Fahrten x 361 Entfernungskilometer x 0,30 €).

Das Finanzamt erkannte elf Familienheimfahrten an, die der Kläger mit dem eigenen Pkw durchgeführt hatte. Die übrigen Familienheimfahrten mit der Bahn berücksichtigte das Finanzamt nicht, weil dem bei der Bahn angestellten Kläger keine Aufwendungen entstanden sind. Dem hat der BFH widersprochen, weil die Entfernungspauschale lediglich um die Kosten gekürzt wird, die der Arbeitgeber übernimmt.

Die Entfernungspauschale für eine wöchentliche Familienheimfahrt kann wie die Entfernungspauschale für Fahrten zwischen Wohnung und erster Tätigkeitsstätte unabhängig vom Verkehrsmittel in Anspruch genommen werden. Das gilt selbst dann, wenn der Steuerpflichtige für diese Fahrten keine Kosten getragen hat. Es handelt sich hier um eine Begünstigung, die vom Gesetzgeber gewollt und durch umwelt- und verkehrspolitische Lenkungszwecke gerechtfertigt ist.

Dies bedeutet aber nicht, dass steuerfrei geleistete Reisekostenvergütungen oder steuerfreie Sachbezüge, beispielsweise Freifahrten, insoweit keine Berücksichtigung finden dürfen. Derartige Arbeitgeberleistungen sind vielmehr auf die Pauschalen anzurechnen, da in solchen Fällen jedenfalls ein vollumfänglicher Werbungskostenabzug angeschlossen werden soll.

Beispiel:

Ein Arbeitnehmer führt einen doppelten Haushalt, der sich 350 km von seinem Wohnort entfernt befindet. Sein Arbeitgeber stellt ihm eine Bahncard 100 zur Verfügung, die 4.190 € kostet. Der Arbeitnehmer nutzt die Bahncard 100 für Geschäftsreisen und für seine Familienheimfahrten.

Die Abrechnung sieht wie folgt aus:

Entfernungspauschale für 46 Wochen

x 350 Entfernungskilometer x 0,30 € =                  4.830 €

Kosen der Bahncard 100:          4.190 €

abzüglich Fahrtkosten, die auf

Geschäftsreisen entfallen:         2.129 €                 2.061 €

= Aufwendungen, die der

Arbeitnehmer als Werbungs-

kosten geltend machen kann =                            2.769 €

Aufwendungen für eine Familienheimfahrt pro Woche, die der Arbeitgeber für seinen Arbeitnehmer übernimmt, sind nicht als lohnsteuerpflichtiger Arbeitslohn zu erfassen. Es handelt sich also nicht um Arbeitslohn, wenn der Arbeitnehmer die Bahncard für Familienheimfahrten einsetzt. Die Nutzung der Bahncard 100 für Privatfahrten ist steuerlich nicht zu erfassen, wenn (wie im Beispiel) die Kosten, die auf berufliche Fahrten entfallen, höher sind als die Kosten der Bahncard von 4.190 €.

Tipp: Der Arbeitnehmer kann seine Familienheimfahrten mit 0,30 € je Entfernungskilometer in seiner Steuererklärung als Werbungskosten geltend machen, auch wenn ihm keine Kosten entstanden sind. Anzurechnen sind allerdings die Fahrtkosten, die der Arbeitgeber übernimmt, z.B. durch die kostenlose Überlassung einer Bahncard 100.

27. September 2017