Doppelte Haushaltsführung

Keine Anerkennung, wenn am Beschäftigungsort der Mittelpunkt der Lebensinteressen liegt

Frankfurt

Eine doppelte Haushaltsführung wird steuerlich anerkannt, wenn sie aus beruflichem Anlass begründet worden ist. Sie bleibt dann mit steuerlicher Wirkung bestehen unabhängig davon, aus welchen Gründen die doppelte Haushaltsführung beibehalten wird und fortbesteht. Eine doppelte Haushaltsführung kann damit unter Umständen auch bis zum Ende des Berufslebens zum Werbungskostenabzug führen.
Voraussetzung für die Weiterführung einer doppelten Haushaltsführung ist jedoch immer, dass sie auch tatsächlich noch besteht. Dies erfordert insbesondere, dass sich der Lebensmittelpunkt nicht am Beschäftigungsort befindet (BFH, Beschluss vom 20.1.2016, Az. VI B 61/15).
Wohnen Eheleute, die beide am selben Ort beschäftigt sind, mit ihren Kindern in einer gemeinsamen Wohnung am Beschäftigungsort, spricht dies dafür, dass sich der Lebensmittelpunkt mittlerweile an den Beschäftigungsort verlagert hat und sich nicht mehr in der weiter entfernt liegenden Wohnung befindet. Nach Auffassung des Finanzgerichts handelt es sich daher bei den beiden von den Eheleuten geführten Haushalten nicht mehr um eine doppelte Haushaltsführung im Sinne des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG.
(!) Ob die Wohnung des Arbeitnehmers, die sich außerhalb des Beschäftigungsorts befindet, als Mittelpunkt seiner Lebensinteressen anzusehen ist und deshalb seinen (Haupt-)Hausstand darstellt, ist anhand einer Gesamtwürdigung aller Umstände des Einzelfalls festzustellen. Das Finanzgericht hat unter Würdigung aller Umstände des Einzelfalls, die sich aus einer Zusammenschau mehrerer Einzeltatsachen ergibt, zu entscheiden. Bei der Entscheidung über den Lebensmittelpunkt kommt es nach ständiger Rechtsprechung des BFH auf Folgendes an:
 wie oft und wie lange sich der Arbeitnehmer in der einen und der anderen Wohnung aufhält,
 wie beide Wohnungen ausgestattet und wie groß sie sind,
 die Dauer des Aufenthalts am Beschäftigungsort,
 die Entfernung beider Wohnungen sowie die Zahl der Heimfahrten.
Von großer Bedeutung ist ferner, zu welchem Wohnort die engeren persönlichen Beziehungen bestehen, z.B. Art und Intensität der sozialen Kontakte, Vereinszugehörigkeiten und andere Aktivitäten. Da es sich um eine Würdigung aller Umstände des Einzelfalls handelt, ist gegebenenfalls auch ein Vergleich der Lage der Wohnungen ein Indiz bei der Beurteilung des Lebensmittelpunkts.
Ob die Voraussetzungen für eine doppelte Haushaltsführung bei Arbeitnehmer-Eheleuten vorliegen, die am selben Beschäftigungsort wohnen und dort (volljährige) Kinder haben, lässt sich nicht ohne Weiteres mit „Ja“ oder „Nein“ beantworten. Es sind die spezifischen Umstände des Einzelfalls zu beurteilen, wobei die Frage, unter welchen Voraussetzungen ein Arbeitnehmer außerhalb seines Beschäftigungsorts einen eigenen Hausstand unterhält, in verschiedenen Urteilen des BFH hinreichend geklärt ist.

18. April 2018