Haushaltsnahe Dienstleistungen

Ist auch die Betreuung von Haustieren begünstigt?

Bei der Inanspruchnahme von haushaltsnahen Dienstleistungen ermäßigt sich die tarifliche Einkommensteuer auf Antrag um 20%, höchstens um 4.000 € (§ 35a EStG). Die Steuerermäßigung kann nur in Anspruch genommen werden, wenn die Leistungen im Haushalt des Steuerpflichtigen erbracht werden. Es ist gesetzlich nicht geregelt, welche Dienstleistungen als haushaltsnahe Dienstleistungen einzustufen sind.

Nach der Rechtsprechung des BFH müssen die Leistungen eine hinreichende Nähe zur Haushaltsführung aufweisen bzw. damit im Zusammenhang stehen. Zu den haushaltsnahen Dienstleistungen gehören somit hauswirtschaftliche Verrichtungen, die gewöhnlich durch Mitglieder des privaten Haushalts oder entsprechend Beschäftigte erledigt werden und in regelmäßigen Abständen anfallen. Bisher vertritt die Finanzverwaltung die Auffassung, dass Kosten für die Haustierbetreuung nicht als haushaltsnahe Dienstleistung steuerbegünstigt sind.

Beispiel:
Ein alleinstehender Pensionär beauftragte mehrmals einen Betreuungsservice, seinen Hund in seiner Wohnung zu betreuen. Für seine Dienstleistung und Fahrtkosten stellte ihm der Betreuungsservice 500 € in Rechnung. Das Finanzamt lehnte es ab, diese Aufwendungen als haushaltnahe Dienstleistungen anzuerkennen. Im Gegensatz dazu hat das Finanzgericht Düsseldorf entschieden, dass die Versorgung und die Betreuung der im Haushalt lebenden Tiere haushaltsnah sind (Urteil vom 4.2.2015, Az. 15 K 1779/14 E, vgl. bereits Steuerzahler-Tip 4/2015, S. 6). Tätigkeiten wie die Reinigung, die Versorgung mit Futter und Wasser und sonstige Beschäftigungen des Haustiers fallen regelmäßig an und werden typischerweise durch die Familienmitglieder
selbst erledigt. Haustiere, die in der Wohnung des Halters leben, sind dem Haushalt des Tierhalters zuzurechnen. Ihre dortige Versorgung weist demgemäß einen engen Bezug zur Hauswirtschaft des Halters auf und ist deshalb als haushaltsnahe Dienstleistung zu berücksichtigen.

Bereits das Finanzgericht Münster hatte die Versorgungs- und Betreuungsleistungen eines Hundes den haushaltsnahen Dienstleistungen zugerechnet (Urteil vom 25.5.2012, Az. 14 K 2289/11 E). Gegen das Urteil des Finanzgerichts Düsseldorf ist Revision eingelegt worden (BFH-Az. VI R 13/15). Sollte die Finanzverwaltung die Betreuungskosten für Haustiere nicht anerkennen, sollten Sie Einspruch einlegen und beantragen, das Verfahren bis zu Entscheidung durch den BFH ruhen zu lassen. Nach dem BFH-Urteil vom 20.3.2014 ist der Begriff des Haushalts funktional auszulegen. Es reicht aus, wenn die Tätigkeit in unmittelbarem räumlichen Zusammenhang zum Haushalt durchgeführt wird und dem Haushalt dient. Der räumliche Zusammenhang müsste daher auch dann erfüllt sein, wenn der Hundebetreuer mit dem Tier „Gassi“ geht. Denn Haustiere gelten als Bestandteil des Haushalts.

3. Juni 2015